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LESSINGSFABELN
Das Geschenk der Feien
Zu der Wiege eines jungen Prinzen, der in der Folge einer der größten Regenten
seines Landes ward, traten zwei wohltätige Feien.
Ich schenke diesem meinem Lieblinge, sagte die eine, den scharfsichtigen Blick
des Adlers, dem in seinem weiten Reiche auch die kleinste Mücke nicht entgeht.
Das Geschenk ist schön, unterbrach sie die zweite Feie. Der Prinz wird ein
einsichtsvoller Monarch werden. Aber der Adler besitzt nicht allein Scharfsichtigkeit,
die kleinsten Mücken zu bemerken, er besitzt auch eine edle Verachtung, ihnen nicht
nachzujagen. Und diese nehme der Prinz von mir zum Geschenk!
Ich danke dir, Schwester, für diese weise Einschränkung, versetzte die erste Feie.
Es ist wahr; viele würden weit größere Könige gewesen sein, wenn sie sich weniger
mit ihrem durchdringenden Verstande bis zu den kleinsten Angelegenheiten hätten
erniedrigen wollen.
Das Roß und der Stier
Auf einem feurigen Rosse flog stolz ein dreister Knabe daher. Da rief ein wilder Stier
dem Rosse zu: Schande! Von einem Knaben ließ ich mich nicht regieren!
Aber ich, versetzte das Roß. Denn was für Ehre könnte es mir bringen, einen
Knaben abzuwerfen?
Der Affe und der Fuchs
Nenne mir ein so geschicktes Tier, dem ich nicht nachahmen könnte! so prahlte der
Affe gegen den Fuchs. Der Fuchs aber erwiderte: Un du, nenne mir ein so
geringschätziges Tier, dem es einfallen könnte, dir nachzuahmen.
Schriftsteller meiner Nation! - Muß ich mich noch deutlicher erklären?
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