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Der Rabe
Der Rabe bemerkte, daß der Adler ganze dreißig Tage über seinen Eiern brütete.
Und daher kommt es ohne Zweifel, sprach er, daß die jungen des Adlers so
scharfsichtig und stark werden. Gut! Das will ich auch tun.
Und seitdem brütet der Rabe ganze dreißig Tage über seinen Eiern; aber noch hat er
nichts als elende Raben ausgebrütet.
Der Rabe und der Fuchs
Ein Rabe trug ein Stück vergiftetes Fleisch, das der erzürnte Gärtner für die Katzen
seines Nachbarn hingeworfen hatte, in seinen Klauen fort.
Und eben wollte er es auf einer alten Eiche verzehren, als sich ein Fuchs
herbeischlich und ihm zurief: Sei mir gesegnet, Vogel des Jupiter!
Für wen siehst du mich an? fragte der Rabe.
Für wen ich dich ansehe? erwiderte der Fuchs. Bist du nicht der rüstige Adler, der
täglich von der Rechten des Zeus auf diese Eiche herabkommt, mich Armen zu
speisen? Warum verstellst du dich? Sehe ich denn nicht in der siegreichen Klaue die
erflehte Gabe, die mir dein Gott durch dich zu schicken noch fortfährt?
Der Rabe erstaunte und freute sich innig, für einen Adler gehalten zu werden. Ich
muß, dachte er, den Fuchs aus diesem Irrtum nicht bringen. - Großmütig dumm ließ
er ihm also seinen Raub herabfallen und flog stolz davon.
Der Fuchs fing das Fleisch lachend auf und fraß es mit boshafter Freude. Doch bald
verkehrte sich die Freude in ein schmerzhaftes Gefühl: Das Gift fing an zu wirken,
und er verreckte.
Möchtet ihr euch nie etwas anderes als Gift erloben, verdammte Schmeichler!
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